Was wirklich zählt im Leben

„Welcome to Brücklyn“ – Aktionstag gegen Rassismus in Brück

Was wirklich zählt im Leben

„Welcome to Brücklyn“ – Aktionstag gegen Rassismus in Brück

Stell dir vor, es gibt ein Neuland, das du bewohnen und mitgestalten kannst: „Welcome to Brücklyn“, stand auf den Einladungskarten, die mehr als 200 Besucher neugierig gemacht haben. Wie dieser fiktive Stadtteil aussehen soll, war Thema des Aktionstages gegen Rassismus am 28.3. auf dem Bildungscampus. Möglich gemacht haben das Projekt zweierlei: die finanzielle Unterstützung durch die Stiftung SPI „Partnerschaft für Demokratie PfD Hoher Fläming“ und die Initiative der Schulsozialarbeiterinnen in Kooperation mit dem Team des AWO-Mehrgenerationenhauses sowie der Leiterin des EKiZ Martina Lüdecke.

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Mit bunten Schleifen hatten die Planegeister-Kita-Kinder den Zaun vorm Schulgelände geschmückt. Dahinter am Schulerweiterungsbau ist den kleinen Mittagsgästen eine Gruppe Erwachsener aufgefallen, die große Plakate an ihre Scheiben klebten, draußen Tische und Bänke aufstellten, die sie mit Frühblühern bestückten. „Warum macht ihr das?“, erkundigten sich die Lütten zwischen Hauptgang und Dessert. Dass wir gleich eine Party feiern und jeder kommen kann genügte den meisten. Nur Leonardo wollte genau wissen, was wir feiern wollen. Die Antwort, dass alle Menschen gleich sind, kommentierte der Erstklässler schulterzuckend mit: „Ja, klar.“

Voll motiviert waren auch die beiden Lehrerinnen Alisa Gleitsmann und Katja Wiedemer, die sich mit ihren Sechstklässlern auf diesen Tag vorbereitet hatten. Die Schüler haben eine Umfrage gestartet, nachgefragt und ausgewertet: 97 Prozent der Festgäste wussten, was Rassismus bedeutet: Er unterscheidet zwischen „wir“ und „die Anderen“, schafft Distanz, wertet eine Personengruppe auf und manche ab. Er kann sich auch im Gewand des Sexismus oder der Homophobie kleiden.

Erfahrungen mit Rassismus hatte mit 48 Prozent fast die Hälfte der Befragten gesammelt, denn er begegnet uns im täglichen Leben - ob Beschimpfungen beim Fußball, rassistische Witze am Stammtisch oder Klischees. Nichtdeutsche nehmen uns keine Arbeitsplätze weg, sie schaffen welche wie beispielsweise in der Gastronomie oder übernehmen Jobs im Pflegebereich und in der Landwirtschaft, die Deutschen unattraktiv erscheinen. So leben und arbeiten in der Stadt Brück 55 Menschen aus Rumänien, 33 aus Mazedonien und 35 aus Bulgarien. Im gesamten Amtsbereich Brück liegt der Anteil von Menschen mit anderer Herkunft bei 3,4 Prozent. Wer angesichts dieser Zahlen eine „Überfremdung“ befürchtet, der kann sich mit den Sechstklässlern der Grundschule Brück unterhalten. Sie haben in ihrer Umfrage Ideen gesammelt, was gegen Rassismus helfen könnte: Aufklärung und Angebote wie an diesem Aktionstag, in Kontakt mit den Menschen kommen, Sprachbarrieren überwinden, sich vertragen und darüber sprechen.

„Brück ist bunt“, stand mitten auf einer weißen Leinwand, die sich im Laufe des Nachmittags mit aufgemalten Handabdrücken und Wünschen füllte. Entstanden ist ein Gemeinschaftskunstwerk wie ein Sinnbild unserer Gesellschaft: Es ist eine Vielfalt, die uns ausmacht und bereichert, wenn sich alle Akteure als Teamspieler verstehen. Ganz weit oben auf der Wunschliste der „Brücklyner“ steht Frieden, dicht gefolgt von Freundschaft. Auf Rang 3 der Schöner-Leben-Liste rangiert ein klares Bekenntnis gegen Rassismus. Schon die Handumrisse machen deutlich: es gibt große und kleine unter uns, knallige und blasse, sorgfältige und flotte Menschen, aber im Prinzip sind wir alle gleich. Vor allem in unseren Bedürfnissen, zu denen unbedingt Essen zählt.

Auf kulinarische Weltreise haben uns die Sechstklässler ebenfalls mitgenommen und tafelten Spezialitäten verschiedener Nationen auf, jeweils mit gemalten Landesflaggen gekennzeichnet. Über der rot-weiß-roten Fahne thronte Brause aus Almkräutern. Indisch duftete es aus dem Linsen-Dal-Topf. Wie ein Mosaik reihten sich die Speisen aus Griechenland, Tschetschenien, Italien, Brasilien und Mazedonien aneinander und waren ratz-fatz verputzt.

Nachhaltig vermehrte sich dafür das Brücklyn-Logo, dass Tim Menzel, Schulsozialarbeiter erfunden hat. Mit dem Brücken-Turm-Motiv unter dem Willkommens-Schriftzug hat er den Geschmack der Festgäste getroffen. So sind an der Button-Maschine bei Martina Lüdecke von den Fans mehr als 70 individuelle „Mitnehmsel“ gepresst worden, wahlweise mit Spiegel oder Magnet auf der Rückseite.

International waren auch die Spiele und Aktivitäten auf dem Campusgelände. Riesige Seifenblasen waberten im Sonnenschein durch die Luft, über den hölzernen Jenga-Turm und hinüber zum Mitmach-Zirkus und Fangbecher-Basteln. Zum Abschied gab es eine Primel-to-go für jeden Blumenfreund und rundete den Brücklyn-Gedanken ab: gemeinsam etwas pflanzen und wachsen lassen. Herzlichen Dank an alle, die uns diesen Nachmittag geschenkt haben.

 
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