Das Ziel unserer Arbeit, die „Hilfe zur Selbsthilfe“, und der Anspruch, ohne Unterscheidung jede*n darin zu unterstützen, eint die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Auch sonst haben die beiden Wohlfahrtspflegen viel gemein: Sie bestehen seit über 100 Jahren und wurden von starken Frauen mitbegründet und ausgestaltet. Dies erfuhren die Teilbetriebsleitungen des AWO Bezirksverband Potsdam e.V. auf ihrer diesjährigen Frühjahrs-Klausurtagung bei ihrem Besuch im Jüdischen Gemeindezentrum und der Synagoge in Potsdam. Passend auch, dass die zwei Klausurtage in diesem Jahr mit den AWO Wochen gegen Rassismus fielen.
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Schon seit vielen Jahren pflegt die Potsdamer Arbeiterwohlfahrt über einen Fachkräfteaustausch Beziehungen zu Israel. Ina Golde, Koordinatorin der Fort- und Weiterbildung bei der AWO und mitverantwortlich für das Austauschprogramm, steht auch jetzt im Kontakt mit Teilnehmenden aus Israel. „Es hilft uns, dass Menschen weit weg von den Geschehen hier an uns denken“, verlas Ina Golde Zeilen aus einer E-Mail vom Wochenende. Mit einem Gruppenbild aus dem jüdischen Zentrum sendeten die Klausurteilnehmer*innen einen Gruß an unsere Austauschpartner*innen nach Ramat Gan.
Jan-Niklas Zemmel, Einrichtungsleiter des Synagogenzentrum Potsdam, das von der ZWST betrieben wird, führte am vergangenen Dienstagvormittag zunächst auf das Dach des 2024 in Betrieb genommenen Gebäudes in der Innenstadt der Landeshauptstadt. Von dort oben kann man die Orte markieren, an denen einst bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, jüdisches Leben in Potsdam zu finden war. Das neue Zentrum erzählt vom Wiedererstehen einer jüdischen Gemeinschaft mit Aufnahme von sogenannten Kontingentflüchtlingen aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren.
In der Synagoge mit sieben meterhohen Fenstern, Bänken und Wandvertäfelung aus Eichenholz zeigte Jan-Niklas Zemmel das Allerheiligste: handgeschriebene Tora-Rollen, die in bestickte Samtmäntel gehüllt und mit verzierten silbernen Aufsätzen gekrönt sind.
Von führenden Persönlichkeiten der jüdischen Wohlfahrt, die ihren Ursprung im Jüdischen Frauenbund hatte, berichtete die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Hering am Nachmittag des zweiten Klausurtages. Unter ihnen Aviva Goldschmidt, die Sozialarbeit am Institut der Arbeiterwohlfahrt studiert hat und viele Jahre Sozialreferentin der Zentralwohlfahrtsstelle war sowie Bertha Pappenheim, die sich für den planvollen Aufbau der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland einsetze. Von letzterer stammt der aufrüttelnde Satz „Weh‘ dem, dessen Gewissen schläft“. Ein Aufruf, der immer noch währt.
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25.03.2026 15:41
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