Schön gemacht und wie Models schreiten die wohnungslosen Frauen bei der Zwangsräumung ihrer Unterkunft über den Laufsteg aus aneinandergereihten Matratzen und glänzen. Schlussszene des französischen Fernsehfilms „Der Glanz der Unsichtbaren“. Im Mittelpunkt des Films stehen wohnungslose Frauen und die Sozialarbeiterinnen und Ehrenamtliche, die sie in einer Tagesstätte betreuen – eine Aufgabe zwischen Systemgrenzen und Idealismus. Aus Anlass der aktuellen Brandenburgischen Frauenwochen und den AWO Wochen gegen Rassismus hat der AWO Bezirksverband Potsdam am gestrigen Donnerstag zu der Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion ins Thalia-Kino eingeladen.
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Wohnungslose Frauen sind unsichtbar. „Sie sind verdeckt obdachlos, kommen bei Bekannten unter oder suchen sich sehr versteckte Schlafplätze“, erklärte Katja Fisch. Die Referentin für die Wohnungsnotfallhilfe bei der Potsdamer Arbeiterwohlfahrt moderierte die Diskussion mit der Potsdamer Gleichstellungsbeauftragten Claudia Sprengel, mit Annika Maretzki von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAGW) und der Leiterin des AWO Wohnprojekts Frauenwohnen, Aneta Szerbak-Zeis.
Die verdeckte Wohnungslosigkeit von Frauen betrachte sie mit Ambivalenz, so Referentin Fisch: einerseits spreche dies für die große Selbstwirksamkeit der Betroffenen, andererseits würden sie so zahlenmäßig nicht erfasst, um daraus einen Handlungsbedarf abzuleiten. In ihrem Jahresbericht 2025 habe sie deutlich auf die Problemlage und die besondere Schutzbedürftigkeit wohnungsloser Frauen hingewiesen, erklärte Potsdams Gleichstellungsbeauftragte.
Außerdem gebe es erstmalig in diesem Jahr für die Landeshauptstadt eine statistische extra Erfassung verdeckter Wohnungslosigkeit und damit auch sichtbare Zahlen über betroffene Frauen. „Was wir für die Frauen in akuter Not dringend brauchen, ist eine Frauennotunterkunft in Potsdam“, forderte die Leiterin vom AWO Frauenwohnen. Wenn die Frauen erstmal einen sicheren Schutzraum hätten, könne man von da aus alle weiteren Schritte klären, so Aneta Szerbak-Zeis. Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. ist in der Wohnungsnotfallhilfe mit insgesamt zehn unterschiedlichen Einrichtungen sehr differenziert aufgestellt. Ein Konzept für eine Notunterkunft für Frauen mit acht Plätzen ist fertig, es fehlt nur an Raum. „Wenn wir als großer Träger mit guter Vernetzung keine Räumlichkeiten finden, zeigt das, wie groß die Not ist“, erklärte die Vorstandsvorsitzende der Potsdamer AWO, Angela Schweers. „Wir bleiben dran und machen die Notlagen von Frauen sichtbar.“
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