„Zwischen den Stühlen – Junge Volljährige an der Schnittstelle der Hilfesysteme“ – der Fachtag zum Anlass des 20 jährigen Jubiläums der Einrichtung „W13“
Unter oben genanntem Motto fand am 15.10.2025 im Bürgerhaus des Stadtteils Schlaatz in Potsdam ein Fachtag des Ambulant Betreuten Gruppenwohnens „W13“ – ein Angebot der Wohnungsnothilfe - statt. Ziel der Veranstaltung war es, mit Netzwerkpartnern über bestehende Spannungsfelder in der Arbeit mit den jungen volljährigen wohnungslosen Menschen in den Austausch zu gehen, um Ideen für Lösungskonzepte für ein besser gelingendes Hilfeangebot zu entwickeln und den Blick für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu schärfen. Dazu wurden Vertreter aus den verschiedenen Fachbereichen eingeladen. Der gesamte Fachtag wurde von Katja Fisch – Referentin der Wohnungsnothilfen der LAG Brandenburg – moderiert.
Zur Einleitung der Tagung hielt Anne Hinsche, die seit 2015 bestehende Projektleitung der „W13“, einen Impulsvortrag zu den Entwicklungsprozessen des Wohnprojektes von 2005 bis heute. Sie verwies auf den seit Jahren anhaltenden Anstieg der Häufigkeit von im „W13“ vorstelligen jungen wohnungslosen Volljährigen - junge Menschen, welche oftmals aus Beendigungen der Kinder- und Jugendhilfe in die Einrichtung kamen und hier wesentliche Bedarfe an Persönlichkeitsnachreifung aufwiesen. Es ist auffällig, dass mehr als die Hälfte der Hilfesuchenden – 2013 bei Einzug sogar 80% - zwischen 18 und 21 Jahre alt waren.
Ein weiterer interessanter Tagesordnungspunkt war das im Jahr 2021 verabschiedete Kinder- und Jugendstärkungsgesetz nach § 41 SGB VIII. Eine Erläuterung des Gesetzesinhaltes aus politikwissenschaftlicher Sicht präsentierte Dr. Serge Embacher den Anwesenden und reflektierte die Praxissituation. Das Ergebnis war, dass bisher kaum neue Angebote auf dieser Grundlage existieren. Ein möglicher Grund sei die fehlende gesellschaftliche Anerkennung der Benachteiligten. Eine mögliche Lösung dessen wiederum könnten stabil finanzierte Kooperationen darstellen.
Nach einer kulinarischen Versorgung der Beteiligten mit Snacks und Getränken klärte Herr Svejda – Bereichsleiter der sozialen Wohnhilfen der Landeshauptstadt Potsdam - zum gemeinsamen Verständnis über den Inhalt, die Umsetzung und die Übergänge der Hilfen nach § 67 SGB XII auf. Er machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Angebote für junge wohnungslose Erwachsene seit Jahren komplett ausgelastet seien. Weiterhin verdeutlichte er die Unterschiede zwischen den Aufträgen der Wohnungsnothilfe und denen der Jugendhilfe. Als Konsens der zusammengetragenen Informationen stellte sich ein Ausblick in eine mögliche Zukunft dar, in welcher Problematiken in den Übergängen zwischen den Schnittstellen minimiert, individuelle Hilfekonzepte ausgebaut und benötigte Ressourcen für die Umsetzung der Hilfe erweitert werden.
Zu guter Letzt gab es für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, noch offenen Fragen in einem Fishbowlsetting zu stellen und zu diskutieren. Auch Bewohner, sowie ehemalige Bewohner der Einrichtung „W13“ beteiligten sich als Betroffene am Austausch.
Das Team der „W13“ bedankt sich ganz herzlich bei allen anwesenden Fachkräften und Interessierten für die Teilnahme am Fachtag, sowie für die bereichernden Beiträge beim fachlichen Austausch. Die Zusammenkunft und der Austausch waren ein wichtiger Schritt für eine Verbesserung der Übergänge zwischen den verschiedenen Hilfesystemen, damit die jungen volljährigen Menschen in Zukunft weniger das Gefühl haben, zwischen den Stühlen zu stehen.