Für das Recht auf Selbstbestimmung

Artikel vom 28.09.2021

Für das Recht auf Selbstbestimmung

Am 15. Mai 1871 wurde der §218 in das Strafgesetzbuch aufgenommen. Seit 150 Jahren wird der Kampf für das Recht der Frau auf Gesundheit und Selbstbestimmung über ihren eigenen Köper geführt.

Heute ist der „Safe Abortion Day“. Potsdamer Initiator*innen riefen unter dem Motto „150 Jahre Widerstand gegen § 218 StGB – es reicht! Abtreibung endlich entkriminalisieren!“ zu einer Kundgebung auf dem Alten Markt auf.

Gekommen sind rund 100 Personen, um für das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper und die Streichung des §218 aus dem Strafgesetzbuch zu demonstrieren. Organisiert wurde die parteiübergreifende Kundgebung von Anja Günter (DIE LINKE Potsdam).

Die Arbeiterwohlfahrt wurde 1919 gegründet, um Menschen darin zu unterstützen, selbstbestimmt zu leben. Ihnen Handwerkszeug zu geben, durch Beratung, Begleitung und durch Ressourcen, damit sie (wieder) ermächtigt werden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die AWO kämpft für das Recht von Frauen, selbst über ihren Körper zu entscheiden. Nicht nur der §218 gehört gestrichen. Auch der §219a, der es Ärztinnen und Ärzten praktisch verbietet, öffentlich und umfassend über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, muss abgeschafft werden. „Hinter diesen Paragraphen steckt eine frauenfeindliche Haltung. All das führt zu einem Klima der Angst vor Stigmatisierung, zu einem Klima des Schweigens und der Entsolidarisierung. Das dürfen wir nicht zulassen“ sagte Diana Golze, die an diesem Dienstagmittag auf dem Alten Markt für den AWO Bezirksverband Potsdam e.V. sprach.

Redebeiträge gab es an diesem Tag unter anderem auch von Politiker*innen der Parteien DIE LINKE, Bündnis90/Die Grünen und der SPD. Mit dabei war auch der Landesverband der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA), für den Birgit Uhlworm sprach. Provokativ aber wirkungsvoll war der Auftritt von Bettina Franke und Sylvia Swierkowski.

Doch was muss getan werden, damit sich die Situation für Frauen in Deutschland verbessert? Diana Golze fasste die wichtigsten weiteren Schritte unter Beifall der Beteiligten vor dem Landtag zusammen: „Der erste und wichtigste Schritt ist die Streichung des § 218 aus dem Strafgesetzbuch und damit die Entkriminalisierung. 150 Jahre sind mehr als genug. Es braucht außerdem ein flächendeckendes Angebot an qualifizierter, psychosozialer Beratung im Bereich Sexualität, Familienplanung und Schwangerschaft. Diese Angebote müssen freiwillig sein. Sie dürfen nicht verpflichtend gefordert werden und sie müssen kostenfrei sein. Wir kämpfen weiterhin für eine bundesrechtliche Regelung für die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für alle Geschlechter. Und wir fordern ebenfalls die Streichung des §219a aus dem Strafgesetzbuch“.

Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. unterstützt die bundesweite Petition zur Abschaffung des § 218. Weitere Informationen und die Möglichkeit der Unterzeichnung gibt es unter: https://www.change.org/wegmit218

 
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