Lebenslagen wohnungsloser Menschen verschlechtern sich weiter

Artikel vom 27.03.2022

Lebenslagen wohnungsloser Menschen verschlechtern sich weiter

Im Rahmen eines Online-Fachtages unter dem Titel „Wohnungslos in Zeiten von Corona“ wurde am Donnerstag die 2. Lebenslagenuntersuchung wohnungsloser Menschen vorgestellt und diskutiert. Fast 150 Beteiligte aus dem ganzen Bundesgebiet und von verschiedensten Trägern hatten sich eingewählt. Eingeladen hatte dazu der Evangelische Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe e.V. (EBET). Bereits die erste Studie wurde 2018 in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule (ASH) Berlin durchgeführt. Dabei wurden von Wohnungslosigkeit betroffene und bedrohte Menschen in die Erstellung der Studie und Formulierung der Fragen einbezogen.

Prof. Dr. Susanne Gerull stellte die Ergebnisse der im Herbst 2021 erhobenen Daten für die Wiederholungsstudie vor. Ziel beider Untersuchungen war es, einen repräsentativen Blick auf die Mehrdimensionalität unterschiedlicher Lebensbereiche und ihren Wechselwirkungen zu werfen. Der Großteil der Befragten (77,2%) waren Männer, 62,7% waren im Alter zwischen 30 und 59 Jahren, 79% waren Deutsche und 62,3% der Befragten waren länger als ein Jahr wohnungslos.

Im Ergebnis wurde insbesondere festgestellt, dass der Lebensbereich der persönlichen und gesundheitlichen Sicherheit den größten Einfluss auf die persönliche Lebenslage hat. Der Einfluss von Corona ist hier im Vergleich zu 2018 besonders deutlich, denn hier wird eine deutliche Verschlechterung in der objektiven wie subjektiven Einschätzung der Lebenslage festgestellt, wie zum Beispiel die Möglichkeit, sich in einen geschützten Raum zurückzuziehen oder der Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. Als besonders vulnerable, also verletzliche Gruppen wurden sog. Straßenwohnungslose Menschen sowie sonstige EU-Bürger*innen /benannt. Deren Lebenslagen sind noch einmal deutlich schlechter als im Durchschnitt der Befragten.

Von Wohnungslosigkeit Betroffene schätzten die Untersuchung als sehr zutreffend ein. Sie wünschen sich u.a. Einzelzimmer in Unterkünften und bundesweite Standards in der Wohnungsnotfallhilfe. Bei der Suche nach Wohnraum beklagten sie eine Diskriminierung wohnungsloser Menschen. Der Weg in eigenen Wohnraum führt oft nur über Belegwohnung von Trägern der Wohnungsnotfallhilfe. Dies wurde auch in einer anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Einig war man sich hier ebenso, dass sich die Soziale Arbeit insgesamt für mehr bezahlbaren Wohnraum gegenüber der Politik stark machen muss.

Die Studie wird in Kürze auf der Internetseite von EBET veröffentlicht

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