Märchenhaftes

Es war einmal… ja so fangen Märchen an, doch diese Geschichte ist wirklich wahr.

Es trug sich zu, in einer Zeit, als der Coronavirus vor allem ältere Menschen in die unfreiwillige Quarantäne zwang.

Von Jetzt auf Gleich hat sich der Alltag für fast alle gewandelt. So erging es auch einer allein lebenden Rentnerin aus Potsdam Eiche. Mit Ihren 95 Jahren war sie plötzlich auf sich allein gestellt, denn ihre Alltagshilfe kam einfach nicht mehr zu ihr nach hause! „Was nun?“, fragte sie ihren ebenfalls allein lebenden 81-jährigen Cousin aus Berlin.

Im Märchen wäre jetzt der Bote mit einer Schriftrolle zu Pferde daher geritten und hätte auf dem Marktplatz das Stadtvolk um Hilfe gebeten. Im Jahr 2020 reicht ein Klick und es erreichte uns eine Mail auf elektronischem Wege. Doch egal wie, zum Glück kam die Botschaft an der richtigen Stelle an und so ergab es sich, dass in der Grundschule „Marie Juchacz“ über das Hilfesystem des Bezirksverbandes der AWO Potsdam eine schnelle Hilfe für, naja nennen wir sie liebevoll Lotti, gefunden wurde. Ein junger Mann… kein Ritter, aber ein Lehrer der Grundschule zögerte nicht eine Sekunde und ist seitdem ein verlässlicher Unterstützer in Sachen Einkauf, Apothekendienst und mindestens genauso wichtig: im Zuhören.

Am Ende eines Märchens finden sich meist die Helden der Geschichte vor dem Traualtar wieder und Sie wissen schon, wenn sie nicht… dann leben sie noch heute! Verdammt es ist doch kein Märchen, denn zu viele Jahre trennen die Beiden voneinander. Eigentlich schade, aber weil es die AWO gibt, besteht eine Freundschaft noch heute, denn ein bisschen Menschlichkeit schafft Verbundenheit über  Generationen hinaus.

Auch Lotti's Cousin hat eine ganz besondere Entdeckung in der Nähe seiner Wohnung in Berlin Köpenick gemacht. Direkt um die Ecke befindet sich am Hause Schmausstraße 83 eine Berliner Gedenktafel für Marie Juchacz, die dort von 1926 – 1933 lebte. Mit Freude berichtete er von dieser Begegnung, stellte mir viele Fragen zu den Kindern und dem Lernen in der Grundschule, die als ein Pilotprojekt in der Geschichte der AWO betrachtet werden kann. Nicht zuletzt trägt die Schule den Namen der Begründerin Marie Juchacz, weil Solidarität, Gleichheit, Toleranz, Gerechtigkeit und Freiheit als Grundwerte einer sozialen Gesellschaft auch bei den Kindern ihren Platz im Herzen finden sollten.

Kathrin Suhr

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