Staudenhof muss bleiben

Abriss würde Segregation in Potsdam weiter verstärken

Staudenhof muss bleiben

Abriss würde Segregation in Potsdam weiter verstärken

Der aktuelle Armutsbericht der Stadt Potsdam weist auf ein Problem hin, vor dem der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. schon seit langem warnt. Die Segregation und damit die Konzentration von Armut auf wenige Stadtteile in Potsdam, nimmt zu. „Auch in Bezug auf das durchschnittliche Haushaltseinkommen und die Armutsgefährdungsquote ist augenscheinlich, dass der Sozialraum „VI Schlaatz, Waldstadt I und II, Potsdam Süd“ eine höhere Verdichtung von Armutslagen aufweist“, heißt es in dem Bericht. Diese Erkenntnis haben wir aus der Sozialarbeit vor Ort seit Jahren. Segregation führt aber zunehmend zur Ausgrenzung der in den Quartieren lebenden Menschen. Ein Austausch und Begegnungen unterschiedlicher Gruppen findet kaum noch statt.

Hinzu kommt, dass Sozialleistungen, auf die ein Anspruch besteht, oft aus Unwissenheit oder wegen hoher Hürden, endlosen Beantragungen oder fehlender Endgräte nicht in Anspruch genommen werden können. Gleichzeitig steigen die Preise durch die hohe Inflation weiter, auch die Mittelschicht gerät unter finanziellen Druck. Der AWO BV Potsdam e.V. hat deshalb unter „Hilfe Jetzt!“ ein Portal eingerichtet, auf wissenswerte Tipps, Links auf Informationsseiten wie beispielsweise zum Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) und Nützliches gesammelt wird. Es gibt zudem auch Büros, die die Technik für Antragsstellungen zur Verfügung stellen und auch beraten. Die Stadt Potsdam und andere Einrichtungen sollten dazu beitragen, dass die Informationsdefizite bei der Inanspruchnahme von Leistungen der Grundsicherung abgebaut werden können. „Die bestehenden Hilfs- und Beratungsstrukturen müssen gestärkt und ergänzt werden. Die Finanzierung muss langfristig und nicht nur für wenige Jahre gesichert sein“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Potsdam, Angela Schweers.

Dazu gehört, die Segregation zu erkennen und entgegenwirken, damit Menschen in ihren Wohnungen bleiben können und nicht umziehen müssen. Die Potsdamer Arbeiterwohlfahrt fordert daher die Stadtverordnetenversammlung eindringlich auf, den Beschluss zum Abriss des Staudenhofes am Alten Markt zurückzunehmen. Die dort in Sozialwohnungen lebenden Menschen müssten sich andere Wohnungen suchen, voraussichtlich in den genannten Stadtteilen mit hoher Armutsquote. „Das wäre im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung völlig falsch“, sagte Schweers.

Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. ist mit anderen Vereinen, Verbänden, Parteien, Architekt*innen und Einzelpersonen Erstunterzeichner der Initiative, die das innerstädtische Gebäude in der Nähe des Alten Marktes in Potsdam erhalten möchte. Der Plattenbau soll laut einem entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

 

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