Zu wenig Personal in Kitas

Artikel vom 07.04.2022

Zu wenig Personal in Kitas

Die Grundaufgaben von Kita-Erzieher*innen sind die Betreuung, Bildung, Versorgung - und der Spaß von Kindern in ihrer Einrichtung. Und dafür ist seit Jahren die personelle und finanzielle Ausstattung denkbar schlecht. Wenn nun noch aktuelle Aufgaben hinzu kommen wie die Corona-Krise oder der Krieg in der Ukraine und viele geflüchtete Familien mit kleinen Kindern, gerät das System schnell an seine Grenzen.

Eine Umfrage anlässlich des Deutschen Kitaleitungskongresses (DKLK) unter bundesweit 9000 Kitaleitungen ergab jetzt, dass im vergangenen Jahr in über der Hälfte der Zeit in „aufsichtspflichtiger Personalunterdeckung“ gearbeitet wurde – und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. „Übersetzt bedeutet das: Diese Einrichtungen konnten den Betrieb im Durchschnitt an mehr als jedem zweiten Tag nur unter Gefährdung der Sicherheit der zu betreuenden Kinder aufrechterhalten“,  formulierte es Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), laut Medienberichten.

Mittelbare Aufgaben würden bei der Personalbemessung durch die Politik nicht berücksichtigt, kritisierte die Geschäftsführerin der AWO Kinder- und Jugendhilfe Potsdam gGmbH, Sabine Frenkler. „Es kann nicht sein, dass sich die Politik wieder darauf verlässt, dass ‚Ruhe bleibt‘“. Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. fordert seit vielen Jahren bessere Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung im Land Brandenburg und auch bundesweit. Wenn nämlich in einer Kita nicht genügend Betreuungspersonal zur Verfügung steht, kann der Bildungsauftrag nicht erfüllt werden – was in fast allen Kitas in Ostdeutschland der Fall ist (Beitrag vom 27.08.2020: Besser aber nicht gut). Eine individuelle Förderung, die besonders im frühkindlichen Alter wichtig ist, ist somit nicht möglich.

 

Aller Voraussicht nach wird das Personal in den kommenden Wochen und Monaten wegen des Ukraine-Krieges und der vielen geflüchteten Familien mit Kindern in Potsdam zusätzlich vor neuen Herausforderungen stehen. „Die Kita-Träger müssen finanziell besser und sicher ausgestattet werden, damit sie ihre Aufgaben wahrnehmen können“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Potsdam, Angela Schweers. Das Land müsse auch klar festlegen, wofür das Geld verwendet werden solle und kontrollieren, ob die Vorgaben eingehalten werden. Die Potsdamer Arbeiterwohlfahrt ist einer der größten Träger von Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt.

Der Wohlfahrtsverband fordert in seinem Programm „1 plus 9 – Ein Ziel, neun Forderungen für eine sozial gerechte Gesellschaft“ den Ausbau der Qualität in Kitas und Schulen. So müsse der Betreuungsschlüssel verbessert und die tatsächlichen Betreuungszeiten finanziert werden. Auch sollten Kitas zu Familienzentren im Stadtteil weiterentwickelt werden, damit Bildungsarbeit auch noch über die Kita-Schließzeit hinaus gewährleistet ist.

Das brandenburgische Bildungsministerium hatte Ende März das geplante neue Kitagesetz gestoppt, das Klarheit über die Finanzierung der Kitas für Eltern und die Träger bringen sollte.

Medienbericht Tagesschau
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