Kinder- und Jugendhilfeverbund - Einrichtungsleitung

Hilfen zur Erziehung
KJHV (AWO Kinder- und Jugendhilfe Potsdam gGmbH)

Anschrift

AWO Kinder- und Jugendhilfeverbund
Neuendorfer Straße 39a
Geschäftsstelle
14480 Potsdam

Kontakt

FAX +49 331 73041940

Kontaktperson

Sabine Herzinger
Einrichtungsleiterin Hilfen zur Erziehung

Der Kinder- und Jugendhilfeverbund betreut in seinen stationären und teilstationären Einrichtungen derzeit 60 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 18 Jahren. In Ausnahmefällen werden auch Kinder unter 4 Jahren  und Jugendliche über 18 Jahren betreut. Eine Nachbetreuung in eigenem Wohnraum sichert den Übergang der Jugendlichen in die Selbständigkeit.

Aufnahme finden junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in ihrem bisherigen Umfeld keine ausreichende Möglichkeit haben, sich optimal zu entwickeln.

Neben den durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz begleitend geltenden Bestimmungen erbringen wir Leistungen nach §§ 27, 34, 35a und 41 SGB VIII.

Zum Kinder- und Jugendhilfeverbund gehören:

  • 3 Wohngruppen in der Stadt Potsdam mit insgesamt 24 Plätzen
    Wohngruppe Am Hirtengraben mit 7 Plätzen + 2 Plätze betreutes Einzelwohnen
    Wohngruppe Parforceheide mit 8 Plätzen
    Wohngruppe Marquardt mit 9 Plätzen
  • 18 Plätze Betreutes Einzelwohnen in Ein- und Zwei-Raumwohnungen an 6 Standorten (Zentrum Ost, Innenstadt)
  • 1 Tagesgruppe in der Stadt Potsdam mit 12 Plätzen

Spezielle Angebote durch qualifiziertes Personal in

  • Familientherapie
  • Erlebnispädagogik/Erlebnistherapie
  • Mediation
  • Heilpädagogik
  • gewaltfreier Kommunikation
  • Diagnostik durch HSF-Methode
  • Koordination von Familienräten
  • Genogrammarbeit
  • Methoden der kollegialen Beratung
  • Trainer für Wohnführerschein
  • Traumapädagogik

 


Verantwortlich:

Siegbert Schwager

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogik als pädagogische Intervention findet ihre Anwendung unter anderem in der Prävention, der Anamnese und Diagnostik oder als Intervention in der Verhaltensregulation.

  • Ziel: in diesen kurzzeitigen oder längerfristigen erlebnisdichten Phasen, das Lernen in einem veränderten Rahmen zu ermöglichen, bestehende Grenzen zu überwinden und bereits vorhandene Erfahrungen zu erweitern.
  • Während bei der Erlebnispädagogik das Erleben eigener Handlungswirksamkeit im Vordergrund steht, beschäftigt sich Erlebnistherapie mit den Hintergründen ausgewählter Problemfelder im sozial-emotionalen Bereich und den daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten (Schulproblematik, Beziehungsverweigerung, Störungen im Selbstwert etc.) und deren gezielter therapeutischer Bearbeitung.
  • Erlebnistherapeutische Angebote gründen sich bei uns unter anderem auf Grundlagen der Verhaltenstherapie, der Gestalttherapie, eines systemischen Verständnisses sowie Elementen des metaphorischen Lernens.
  • Reflexiv betrachtend sollen das Wahrnehmen manifestierter oder veränderter Handlungsmuster und eine alltagstaugliche Veränderung gefördert werden.
  • Unsere Projekte besitzen Modulcharakter, wobei wir auf natursportliche Aktivitäten wie Klettern/ Abseilen, Trecking, Bergwandern, Klettersteiggehen, Höhlenbefahrungen, Geocaching, Orientierung, City Bound, Kanu, Segeln, sowie den Winteraktivitäten Schneeschuhwandern, Ski alpin, Ski nordisch, Eislaufen, Iglubau etc. zurückgreifen, die wir mit Umweltprojekten, Problemlöseaufgaben oder gezielten Gruppen- und Einzelaktivitäten kombinieren.

 

Vom Werden und der Wirksamkeit erlebnispädagogischer Projekte


Der Kinder- und Jugendhilfeverbund der AWO initiiert seit vielen Jahren erlebnispädagogische Projekte im In- und Ausland für kleinere Gruppen, Jugendliche mit ihren Eltern oder gar einzelne Jugendliche. Schon bei der Planung stellen wir uns eine Vielzahl von Fragen. Was ist das Ziel, welches wir mit den Jugendlichen erreichen wollen? Wo können wir am effizientesten arbeiten? Welche erlebnispädagogische Aktivität passt am Besten, welche Methoden und Wirkmechanismen sind vorstellbar? Allerdings ist die Planung nur die eine Seite. Häufig schieben wir etwas an, lassen uns dann aber vom Prozess leiten. Vieles wird so erst im Laufe der Tage sichtbar, zeigt Überraschungen auf und gibt der Arbeit immer wieder eine neue Tiefe und Richtung. Allerdings können wir die Grundlagen legen, die aus der Erfahrung heraus eine erfolgversprechende Arbeit verheißen. Dazu gehört maßgeblich die Wahl der Örtlichkeit, der Rückzugspunkt am Abend.
Außerordentlich positive Erfahrungen haben wir mit Orten gemacht, die eine Rückbesinnung auf sich selbst, ohne die permanente Ablenkung von außen, zulassen. Ideal ist dabei die Nutzung abgelegener und einsamer Berghütten, die zwar widrigen Witterungsbedingungen trotzen, ansonsten aber nur eine einfachste Ausstattung wie vor hundert Jahren besitzen.

 


Hier wird der Bruch mit dem Alltag, mit eingefahrenen, oft unerwünschten Situationen und Verhaltensweisen am deutlichsten. Zudem wird aber auch gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet, sich mit eigenen Fragestellungen aus der Gegenwart oder Vergangenheit zu befassen. Voraussetzung ist hier allerdings, wie auch bei anderen Projekten, dass bei den Jugendlichen ein Mindestmaß an Bereitschaft vorhanden ist, sich auf Neues einzulassen.
In den Bayerischen Staatsforsten mit den Forstbetrieben St. Martin und Schliersee haben wir bei der Hüttennutzung hier stets verlässliche Ansprechpartner gefunden, die auch auf unsere individuellen Wünsche eingehen. Die gemeinsamen Projekte im Forstbetrieb St. Martin werden auch von den Jugendlichen immer wieder als bereichernd und entwicklungsfördernd empfunden.
Woran merken wir aber, ob etwas gewirkt hat? Häufig geben Projekte nur kurzzeitige Anstöße oder sind bei deren Aufeinanderfolge der Auslöser für etwas Größeres. Die nachhaltige Wirkung wird in der Regel aber erst am erfolgreichen Abschluss einer Schul- oder Berufsausbildung, der Integration in den Arbeitsmarkt, der Bewältigung der persönlichen Lebenssituation bis hin zum Wohnen in eigenem Wohnraum sichtbar und messbar.

ERLEBNISPÄDAGOGISCHE AKTIVITÄTEN - DER RÜCKBLICK EINER JUGENDLICHEN


Die erlebnispädagogischen Fahrten, kurz EP-Fahrten, werden in vielen Einrichtungen der AWO angeboten. So auch im „Betreuten Einzelwohnen“ in Potsdam, in dem ich lebte. Die Jugendlichen haben die Pflicht an diesen Fahrten teilzunehmen, wenn sie in der körperlichen- und geistigen Verfassung sind, beziehungsweise die Freistellung von der Schule oder der Arbeitsstätte bekommen. Auf den EP-Fahrten werden oft sportliche Aktivitäten, wie Klettern, Wandern oder Skilauf mit pädagogischen Maßnahmen verbunden. Die Fahrten dauern meist ein Wochenende, können jedoch auch mal über eine ganze Woche gehen. Der Zeitraum wird je nach dem Zielort bestimmt. Unter den meisten Jugendlichen des Potsdamer BEW waren die EP-Fahrten oftmals verhasst, jedenfalls anfangs. Auch ich war nicht sonderlich begeistert, als ich die Packliste für meine erste EP-Fahrt erhielt. Natürlich denken sich die Betreuer etwas bei diesen Fahrten, aber natürlich war mir das total egal. Ich hatte keine Lust auf Natur, eine einsame Hütte ohne Strom und einem Plumpsklo und vor allem möchte man nicht in irgendwelchen persönlichen „Schubladen“ rumwühlen lassen, die man in der Vergangenheit gründlich verriegelt hat.

Also stellt man sich folgende Fragen:
Was soll ich da?
Wie komme ich aus der Sache schnell wieder raus?
Warum gerade ich?
Aber die wohl am meisten gestellte Frage ist wohl: Macht das alles überhaupt einen Sinn?
Im ersten Moment nicht - man redet über die eigene Person und wie es einem geht, man reflektiert die Tageserlebnisse und - zack - stellen die Betreuer einen Zusammenhang zur eigenen Vergangenheit her und man weiß gar nicht, wie man reagieren soll.
Bei einem eingespielten „Betreuer-Paar“ kommen die Fragen wie bei einem Tischtennisspiel: Ping - Pong - Ping.


Die Reflexionsrunden finden immer am Abend eines Tages statt. Viele Jugendliche sind da geschafft von den sportlichen Aktivitäten, wollen nur noch ins Bett und wenn man sich dann noch mit seinem Selbst beschäftigen soll, ist man schnell überfordert. So empfand ich die Reflexionsrunden meiner ersten EP-Fahrt - eine pure Überforderung. Doch im Nachhinein denkt man oft über die Worte der Betreuer während der Fahrt nach, aber auch nach der Fahrt, wenn man bereits wieder daheim ist. Man versucht selbst noch einmal zu reflektieren und selbst die Zusammenhänge zwischen seinem Verhalten und dem Geschehenen herzustellen. Hat man sich das erste Mal überwunden, etwas von sich Preis zu geben, fällt es einem von Fahrt zu Fahrt immer leichter mehr von seinen „Schubladen“ zu öffnen. Man fängt an, den Betreuern zu vertrauern und ihre Worte ernst zu nehmen.

Die Frage „machen EP-Fahrten einen Sinn?“, kann ich nur mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten.

Ich habe viel von den Fahrten mitnehmen können, sowohl geistig und als körperlich. Auf den EP-Fahrten habe ich mich oft mit meinem Verhalten auseinandersetzen müssen, dass durch meine Vergangenheit geprägt wurde.

Ich habe meine körperlichen Grenzen ausgetestet, als ich in Österreich klettern war und es nicht so gelang und am nächsten Tag trotzdem einen Berg bestiegen habe. Ich musste aus mir „herauskommen“ als ich in Rom und Venedig mit einem Stadtplan in der Hand eine Gruppe geführt und Englisch gesprochen habe. Ich musste lernen, über meinen eigenen Schatten zu springen und um Hilfe bitten, als ich in den Alpen beim Skilaufen hinfiel. Durch diese EP-Fahrten konnte ich viel lernen, vor allem über mich selbst und konnte mich weiterentwickeln. Ich denke, ohne diese Fahrten hätte ich mich nicht zu der Person entwickeln können, die ich heute bin.

Jennifer

Höhle, Wasser, steiler Fels - Lernen durch Erleben?!

Einem Projekt des Kinder- und Jugendhilfeverbundes der AWO in Potsdam über die Schulter geschaut

Der Kinder- und Jugendhilfeverbund betreut Kinder- und Jugendliche im Rahmen von Hilfen zur Erziehung innerhalb eines erlebnispädagogischen Gesamtkonzepts.

Bei gemeinsamen Unternehmungen wie Trecking, Klettern, Höhlenbefahrungen, City bound, Geocaching, Winteraktivitäten, Kanufahren und eben auch Klettersteig gehen, können eigene Fähigkeiten und Grenzen erlebt sowie persönliche Kompetenzen erworben werden. Diese Prozesse haben direkten Einfluss auf die Stärkung und Festigung der gesamten Persönlichkeit. Begegnung und Beziehung, entscheidende Motivatoren für Lernprozesse finden in einer fremden Umwelt wesentlich intensiver statt. Die vorhandene Energie des Einzelnen wird dabei zielgerichtet genutzt, um das Vertrauen in sich und andere zu finden und zu stärken.

Es ist ein Donnerstag im Monat Juli – die Planung: Klettersteig. Die Rucksäcke und Materialdepots der Jugendlichen und der Betreuer der Wohngruppe sind längst gepackt. Die letzten Utensilien verschwinden im Fahrzeug. Der Kleinbus setzt sich in Richtung Alpen in Bewegung. Geplant ist ein weiteres Modul für handlungsorientiertes Lernen einer Jugendwohngruppe in Potsdam. Mehrmals im Jahr werden erlebnispädagogische Unternehmungen für die Jugendlichen organisiert, um mit Hilfe unterschiedlichster Naturräume sich selbst und andere besser kennen zu lernen und unterschiedlichste soziale Kompetenzen zu trainieren. Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art. Folglich können wir auf entsprechende Vorerfahrungen zurückgreifen.

Die Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren machen sich mit ihrem Betreuer und dem Erlebnispädagogen der Einrichtung auf den Weg. Ausgerüstet mit Kochern, Planen, Schlafsäcken, Kletterausrüstung, der Basisverpflegung und vielem mehr erreichen wir in der Nacht unser Ziel und biwakieren unter freiem Himmel. Für einige doch eine neue Erfahrung. Als der Morgen erwacht, erfahren wir zwischen majestätischen Gipfeln und dem Gurgeln eines Bergbachs ein Stück unberührte Natur. Im Vordergrund stehen in den kommenden zwei Tagen eine Vielzahl von Aktivitäten rund um Klettergurt und Seil. Kennenlern-, Wahrnehmungs- und Vertrauensspiele erleichtern den Einstieg in die Thematik und geben eine erste Orientierung. Eine anfängliche Zurückhaltung legt sich sehr schnell und macht wachsender Begeisterung Platz. Für die Meisten sind es die ersten Erfahrungen am Fels. Folglich ist die Annäherung soft, stellt sie doch jeden vor neue Herausforderungen physischer wie psychischer Natur. Im Verlauf werden Abseilstrecken unterschiedlicher Höhen am Steilfels wie auch an Überhängen überwunden. Ängste müssen abgebaut, das Vertrauen in sich selbst, in die Kompetenz anderer gestärkt werden.

Letztlich geht es um das verantwortungsvolle Treffen von Entscheidungen und den Umgang mit persönlichen Grenzen. Die Gesichter der Einzelnen lassen manchen inneren Kampf erahnen. Wer oder was kann mir Unterstützung geben? Was bringt mich meinem Ziel einen Schritt näher?
Das Überwinden einer Klamm mittels Seiltechniken rundet schließlich die Tage ab. Voraussetzung auch hier verantwortungsvolles Handeln, Kooperationsbereitschaft, Teamwork.
Das selbstzubereitete Abendessen am Lagerfeuer schafft Raum für den intensiven Austausch, viele neue Erfahrungen und Eindrücke werden reflektiert.
Der nächste Tag hält eine ganz andere Herausforderung für die Gruppe bereit. Geplant ist der Aufstieg auf einen Gipfel in der Nähe über einen Klettersteig, alles in allem eine Tagestour. Vorfreude auf das Naturerlebnis und die Lust am Fels aber auch die Frage: Werde ich den Anforderungen gerecht werden?

Nach einer zweistündigen Bergwanderung im alpinen Raum ist der Einstieg zum Klettersteig erreicht. Dann ist es soweit. Die Klettersteigkarabiner klicken. Wir bewegen uns über gesicherte Tritte am Stahlseil entlang. Die Anspannung, die Ernsthaftigkeit der Aufgabe und die Unausweichlichkeit des eingeschlagenen Weges stehen manch einem ins Gesicht geschrieben. Ist das Ziel das Ziel oder der Weg oder beides? Wie verhalte ich mich in Stresssituationen? In der Nachbesprechung wird auch dies ein Thema sein. Nach Stunden dann das Gipfelkreuz. Zeit für eine Verschnaufpause und ein paar Eintragungen ins Gipfelbuch. Stolz auf das gemeinsam Erreichte. Dann der Abstieg.

Phasen der Begeisterung, hoher Anspannung und der Kampf gegen das Aufgeben des Ziels bestimmten den Tag...

- abschließend ein Rückblick auf die vergangenen Tage und ein Stück Neugier auf das Kommende – Höhle.

Alles in allem, ein weiteres gelungenes Modul in der erlebnispädagogisch orientierten Arbeit.

Die Erfahrungen werden nun im Team ausgewertet und bilden die Grundlage für die weitere individuelle und Gruppenarbeit. Wir haben Akzente gesetzt und Impulse gegeben, im Alltag werden die neuen Erfahrungen genutzt.

Lernen also durch erleben? – unbedingt!

S. Schwager
Trainer Indoor / Outdoor

Tour zur Bundestagswahl

Der AWO Bezirksverband Potsdam startet ab 10. September seine AWO MACHT Politik - Tour zur Bundestagswahl am 26. September 2021.

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