Auf der Suche nach ein wenig Normalität

Viele offene Fragen nach Online-Vortrag zum Internationalen Tag gegen Rassismus

Auf der Suche nach ein wenig Normalität

Viele offene Fragen nach Online-Vortrag zum Internationalen Tag gegen Rassismus

Der Krieg in der Ukraine hat eine beispiellose Flüchtlingswelle ausgelöst. Hunderttausende Menschen – vor allem Frauen, ihre Kinder und Ältere - sind in den vergangenen Wochen nach Europa gekommen, viele davon nach Deutschland und auch nach Potsdam. Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. engagierte sich bereits früh in der Flüchtlingshilfe, rief zu Sach- und Geldspenden auf und brachte erste Familien in Unterkünften unter.

Doch wie können wir diesen Menschen helfen? Was brauchen sie? Und wie erklärt man den Kindern und Jugendlichen, was vor sich geht? Diese Fragen standen am Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März im Mittelpunkt eines Online-Vortrages des AWO Bezirksverbandes Potsdam zum Thema „Der russische Angriffskrieg in der Ukraine: Mit Kindern und Jugendlichen darüber sprechen – aber wie?“

Mehr als 60 Teilnehmer*innen verfolgten die Veranstaltung mit Roman Labunski, Lehrer und Teamer in der Politischen Bildung. Er ist auch Doktorand im Bereich Internationale Beziehungen und in der ukrainischen Demokratiebewegung aktiv. „Es ist ein klassischer Krieg – es ist ein Angriffskrieg“, sagte Labunski in seinem Eingangsstatement. Und dies habe sich seit drei Generationen in Europa nicht mehr ereignet. Gerade jüngere Kinder könnten dies nur schwer einordnen und verarbeiten. Kleine Kinder hätten Angst, sie „meiden große Menschenansammlungen, haben Angst vor großen Gruppen“. Es sei wichtig, ihnen ein bisschen Normalität zu geben, in Gesprächen, Sportangeboten, Spielmöglichkeiten. „Die Familien haben viele Sorgen, sie möchten ganz schnell zurück in die Normalität“, so Labunski.

„Wie sollen wir reagieren? Was sollen wir den Menschen anbieten?“, fragte auch die Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverbandes Potsdam e.V., Angela Schweers. Manche Familien hätten den Wunsch, ihre Kinder möglichst schnell wieder in die Schule, in den Kindergarten zu schicken. Andere seien wollten dies gerade nicht. Man könne es doch eigentlich nur falsch machen?

Einigkeit bestand darin, dass der Einzelfall betrachtet werden muss. Manche Familien kämen mit traumatischen Erlebnissen nach Potsdam, andere seien bereits vor dem Ausbruch des Krieges Ende Februar geflüchtet, so Labunski. Ganz stark sei auch bei vielen Menschen der Wunsch, möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurückzukehren. „Sie wollen nicht hier bleiben. Viele wollen keinen Asylantrag stellen, da damit festgeschrieben wäre, dass es länger dauert. Sie wollen Sicherheit“, sagte Labunski.
Außerdem gebe es eine starke ukrainische Community in Deutschland.

Den Online-Vortrag verfolgte auch Edith Fuchs vom AWO Kreisverband Ebersberg bei München. Sie bestätigte diese Einschätzung. Sie habe festgestellt, dass Begegnungsmöglichkeiten dringend gebraucht würden. Kürzlich organisierte der Kreisverband Fuchs zufolge in einer AWO-Begegnungsstätte eine entsprechende Veranstaltung. Statt der erwarteten 10 bis 15 Teilnehmer*innen kamen mehr als 100. Die Menschen wollten sich austauschen, ihre Erlebnisse verarbeiten, Tipps und Hinweise erhalten. „Das müssen wir ihnen anbieten“, sagte sie.

Ohnehin geht es in einem Krieg auch darum, die richtigen Informationen zu erhalten, sie zu verstehen und einordnen zu können. Jugendliche sind bereits länger mit existenziellen Fragen konfrontiert. Es sei schwierig, das zu verarbeiten. Labunski riet dazu, mit Kindern und Jugendlichen auch über Fake News, Propaganda und allgemein über Mediennutzung zu sprechen. Der Video-Dienst Tiktok und andere Social Media-Angebote als Quelle seien hier nicht geeignet.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Bedarf sich auszutauschen groß ist. Viele Mitarbeiter*innen wünschen sich deutlich mehr Angebote zur Beratung und Begleitung, zum Umgang mit geflüchteten Menschen. Die AWO Fort- und Weiterbildung wird sich mit dem Thema weiterhin beschäftigen und prüfen, welche weiteren Angebote gemacht werden können.

Mitveranstalter war der AWO Ortsverein "Mutig & Online."

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