BAG W startet eigene Kampagne gegen Wohnungsnot

Artikel vom 06.07.2022

BAG W startet eigene Kampagne gegen Wohnungsnot

Ende Juni veranstaltete der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. eine bundesweite Fachtagung zum Thema Wohnungsnothilfe, an der unter anderem Bundesbauministerin Klara Geywitz teilnahm. Geywitz bekräftigte dabei das Ziel der Bundesregierung die Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 abzuschaffen.

Jetzt startet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) eine eigene Kampagne „WOHNUNG_LOS! Überwindung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit bis 2030 – JETZT handeln!“, um die wichtigsten Forderungen zur Überwindung von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit bekannt zu machen. Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. unterstützt die Kampagne.


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Nach Angaben der BAG W wird es eine Aktionswoche vom 08. bis 16. September 2022 geben. Zum 11. September – dem Tag der wohnungslosen Menschen – sind mehrere Aktionen und Veranstaltungen in Planung. Unter anderem hat die Arbeitsgemeinschaft, der auch der AWO Bezirksverband Potsdam angehört, folgende Kernforderungen:

  • Wohnraum schaffen: Bezahlbaren Wohnraum – auch für Wohnungslose!
  • Rettet das Wohnen: Prävention zur Sicherung von Wohnraum stärken!
  • Zugang zum Leben: Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen!
  • Würde ist unverhandelbar: Menschenwürdige Unterbringung garantieren!
  • Menschenrecht Gesundheit: Krankenversorgungsschutz und Zugang zur gesundheitlichen Versorgung für alle!

Auf der Fachtagung am 28. Juni in der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) hatte Geywitz unter anderem angekündigt, einen Nationalen Aktionsplan zu erstellen. Weitere Referenten waren Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Butterwegge, die Anthropologin Dr. Luisa Schneider und Prof. Dr. Volker Busch-Geertsema, der über das Konzept „Housing First“ informierte. Besonders gefreut hat uns die Teilnahme des Vereins Selbstvertretung – wohnungsloser Menschen e.V. (SWM), deren Vertreter*innen sich sehr aktiv an den Diskussionen beteiligten. Auf dem Fachtag wurden zahlreiche Ansätze entwickelt, wie die Situation von wohnungslosen Menschen dauerhaft verbessert und möglichst schnell die Wohnungslosigkeit beendet werden kann.  Unter anderem stellte sich in den Diskussionen heraus, dass  der Informationsbedarf bei von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen sehr hoch ist. So wurde vorgeschlagen, dass Kommunen einen Info-Point einrichten sollen. Anträge sollten leichter verständlich formuliert sein. Auch müsse es obdachlosen Menschen möglich sein, Handys und Computer zu nutzen, um sich im Internet zu informieren.

In der medizinischen Versorgung fehlt es vor allem an einheitlichen Strukturen. Krankenhäuser müssten feste Sprechstunden einrichten, Patient*innen dürften nicht auf die Straße entlassen werden. Auch gehöre die Wundversorgung zur Notversorgung, die auch ohne Krankenversicherung erfolgen muss. Zudem sollten Vorsorgeuntersuchungen grundsätzlich kostenlos sein. Um schließlich Notaufnahmeeinrichtungen überflüssig zu machen, müsste demnach ein Grundrecht auf Wohnen durchgesetzt und ausreichend Wohnraum geschaffen werden. Peer-Projekte müssten ausgebaut und Räumungsklagen möglichst untersagt werden. Des Weiteren wurde vorgeschlagen, Ausweise künftig gebührenfrei auszustellen. Der Erhalt von Leistungen müsse ohne Ausweis möglich sein. Unabdingbar sei auch hier der Zugang zu digitalen Angeboten, beispielsweise über die Mediatheken oder PC-Plätze in Suppenküchen.

 

 
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