Dass zeitgleich Frauen in ihrer Heimat weder Schwimmen noch Radfahren dürfen und schutzlos Gewalt ausgeliefert sind, machte alle wütend. Femizide, die vorsätzliche Tötung einer Frau oder eines Mädchens aufgrund ihres Geschlechts, oft durch (Ex-)Partner, sind auch in Deutschland keine Seltenheit. Statistisch gesehen wird fast jeden dritten Tag eine Frau getötet. Die Motive basieren meist auf patriarchalen Strukturen, Besitzdenken oder dem Verlust der Kontrolle durch den Täter, wie die Universität Tübingen inzwischen kriminologisch eingeordnet hat: Femizide sind tief in alten gesellschaftlichen Machtstrukturen verwurzelt.
Das Bogenschießen ist noch älter. Funde von Pfeilspitzen aus Feuerstein reichen bis 50.000 zurück. Damals jagten Frauen und Männer der Nomadenstämme nördlich und östlich des Mittelmeeres ebenbürtig zu Pferd mit Pfeil und Bogen, was DNA-Tests heute eindeutig belegen, wie im schwedischen Birka. Dort wurde eine Ruhestätte unter 1000 Gräbern einem hochrangigen Krieger/Heerführer zugeschrieben, der in aufwändiger Tracht neben zwei Pferden bestattet wurde. DNA-Untersuchungen sorgten nun für eine Sensation, da sie beweisen: es handelt sich um eine Frau. Das Ergebnis stellt den ersten wissenschaftlich gesicherten Beleg dar, dass Frauen gleichberechtigt waren.
Im 19. und 20. Jahrhundert war der Bogensport dann sogar bei Olympia angekommen und auch dort wegweisend: 1904 war der Bogensport die einzige Sportart, bei der auch Frauen teilnehmen durften. Da beim Bogensport Präzision und Technik wichtiger sind als reine Kraft, gibt es kaum Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern.
Gesellschaftlich ist die Geschlechter-Ungleichheit im System verankert. Laut Statistisches Bundesamt leisten Frauen wöchentlich rund 9 Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Auch die psychische Last, die gesamte Familienorganisation, Arzttermine, Einkaufslisten und Haushaltsabläufe ständig im Kopf zu haben, lastet nachweislich stärker auf Frauen als auf Männer. Einen traurigen Rekord meldet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Das Beratungsaufkommen ist im Vergleich zum Vorjahr um 14 % gestiegen, was 190 Beratungen an einem Tag entspricht. Angesichts dieser Entwicklung würde sich die Kriegerin von Birka vermutlich mit Gebrüll im Grab umdrehen.
Trotz aller widrigen Umstände feierten die Bogenschützinnen ihren Tag, ihre Gemeinschaft auf dem MGH-Gelände, der auch wertvolle Zeit zum Austausch bot, als Volltreffer.
Ihre | Eure Yvette (Familienzentrum im MGH)
Von Bienen und Blumen
Kurz bevor die Pflanzentauschbörse losging, schwärmten die Bienen aus einem Bienenstock bei uns im Kräutergarten aus und das tiefe Summen und Brausen zeigte ganz klar: es ist Frühling, der Winter ist vorbei - die Garten- und Balkon - Zeit ist da!
Bereits zum fünften Mal fand unsere Pflanzen– und Saatgut Tauschbörse dieses Jahr am 30. April 2026 statt. Es wurden dieses Jahr vor allem viele winterharte Stauden, diverse Kräuter, vorgezogene Gemüsepflanzen und Zimmerpflanzen gebracht. Außerdem wurden auch reichlich schicke Übertöpfe für Zimmerpflanzen gebracht. So konnten wir gemeinsam mit einigen Jugendlichen direkt einige Pflanzen zum Mitnehmen eintopfen.
Der selbstgebackene Kuchen und Tee und Kaffee wurden auch gern angenommen, sodass eine gemütliche Verweilrunde neben dem Aussuchen von Pflanzen und Saatgut entstand: Einige Kinder malten Bilder mit Bienenblumenwiesen aus, andere stöberten in den Büchern und Infomaterialien, andere regten ihre Sinne beim pflanzlichen Duftmemory an.
Mich macht es richtig glücklich, wenn so verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters zusammenkommen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen und dadurch direkt in den Erfahrungsaustausch kommen. Kein Small Talk, sondern Fachsimpeln über Generationen hinweg. Auch die Irritationen neuer Besucher*innen zu erleben, die Fragen „Wieviel kostet die Pflanze?“ und ein „Gar nix“ als Antwort bekommen: „Alle Pflanzen hier haben Menschen gebracht, die gerade zu viel davon haben und gerne etwas abgeben damit sich die Pflanzen woanders weiterverbreiten können.“ Hier darf jeder Mensch teilhaben ohne eine direkte Gegenleistung zu erbringen!
Das Tolle ist immer wieder, dass am Ende alles aufgeht und alle Pflanzen ein neues Zuhause gefunden haben! „Oh jetzt fühl ich mich wieder so wie bei einer riesigen Bescherung als kleines Kind“ strahlt eine Besucherin aus Belzig, die vollbepackt ihre grünen Schätze davonträgt.
Schenken und Beschenkt werden macht einfach glücklich. Und die Bienen freuen sich sicherlich auch alle neuen Blütenstandorte zu entdecken!
Ihre | Eure Jasmin (Sozialpädagogin im MGH)