Es reicht!

Ein Zwischenruf der AWO Potsdam vor Ostern

Es reicht!

Braunes Schokoladen-Osterei und eine Faust darüber in der Bewegung.
Ostern 2024

Ein Zwischenruf der AWO Potsdam vor Ostern

Menschen populistisch gegeneinander ausspielen, scheint für einige Parteien ein probates Mittel zur Gewinnung von Wählerstimmen zu sein. Häufig trifft es Geflüchtete. Jetzt (wieder einmal) die Gruppe der Bürgergeldempfänger, denen pauschal mangelnder Arbeitswille vorgeworfen wird.

Die Union hat ein Konzept für eine „Neue Grundsicherung“ geschrieben, dass das gerade im Bundestag beschlossene Bürgergeld ersetzen soll. Wer ein zumutbares Jobangebot ablehnt oder Termine beim Jobcenter verpasst, soll nach diesem CDU-Alternativpapier mit Geldkürzungen bestraft werden, und zwar bis hin zur hundertprozentigen Kürzung des Bürgergeldes.

Über wen reden wir? Im Jahr 2023 waren 5,5 Mio. Menschen in Deutschland auf Bürgergeld angewiesen, davon allein 1,5 Mio. Kinder. Weitere 800.000 Menschen waren erwerbstätig, mussten aber aufgrund niedriger Löhne und hohen Lebenshaltungskosten „aufstocken“. Weitere 1,6 Mio. Bürgergeldempfänger*innen befanden sich in Ausbildung, Studium oder in Kinderbetreuungszeiten und standen deshalb dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Letztlich waren deshalb nur 1,6 Mio. Bürgergeldempfangende überhaupt in der Lage, eine zumutbare Arbeit anzunehmen. Nach einer Auskunft der Bundesagentur für Arbeit an die „ARD Tagesschau“ wurden 13.838 Bürgergeldempfängern Leistungen gekürzt, weil sie eine Arbeit oder Ausbildung abgelehnt haben. Bezogen auf die 1,6 Mio. dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Menschen sind das 0,86 Prozent und auf alle Leistungsberechtigten gerechnet 0,25 Prozent.

Und es hört einfach nicht auf, alle armen Menschen in Deutschland in ein arbeitsscheues Licht zu rücken und ihnen zu unterstellen, dass sie an ihrem finanziellen Status selbst schuld sind.

„Wer nicht arbeitet, soll nicht essen(?)“ Nein! Menschen sind im Niedriglohnsektor gefangen und verdienen zu wenig. Persönliche Katastrophen wie Arbeitsplatzverlust, Scheidung, lange Krankheiten und praktisch keine finanziellen Rücklagen führen in die Abhängigkeit vom Bürgergeld, zumal Wohnortwechsel ungemein schwer sind. Verfestigte Armutsstrukturen in Familien über Generationen verhindern häufig besondere Bildungsabschlüsse von Kindern und Jugendlichen, denen der Weg in den Arbeitsmarkt damit besonders erschwert wird, gerade weil sie über keine Ressourcen und Netzwerke verfügen. Alles nichts Neues und jedem/jeder Politiker*in bekannt. Aber der Stammtisch und das Bierzelt sind halt doch verlockend, oder?

Wir stehen in unserer Gesellschaft füreinander ein – jeder so, wie er kann und unabhängig, ob man selbst etwas davon hat. Wir halten unterschiedliche Meinungen aus, streiten aber für alles Menschliche und insbesondere für Menschen, die Unterstützung benötigen. Und wer einen kennt, der einen kennt, der einen kennt, der sich angeblich „durchschleicht“ sollte nicht alles glauben, was man hört und sich an die Millionen Menschen erinnern, die ohne die gesamtgesellschaftliche Unterstützung, die wir stolz „Sozialstaat“ nennen, sich und ihre Familien nicht über die Runden bringen könnten.

Solidarität ist einer DER Grundwerte der AWO und hoffentlich weiterhin auch unserer Gesellschaft!

 

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