Lassen Sie mich heute ein paar Worte über Teilhabe in unserer Einrichtung verlieren.
Unser Anspruch an die pädagogische Arbeit ist es, den Alltag mit den Kindern gemeinsam zu gestalten und zu formen. Partizipation ist hier das Zauberwort. Gleichzeitig ist die demokratische Bildung Teil des Alltages. Das geht von simplen Abstimmungen in Gruppenstunden bis hin zum Kinderrat. Über eben jenen möchte ich heute berichten.
Der Kinderrat ist eine Institution, die wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben. Die Mitglieder des Rates haben die Möglichkeit, an bestimmten wichtigen Entscheidungen im Hort mitzuwirken. Sie vertiefen ihr Verständnis für demokratische Vorgänge, Wahlen und wie man Teilhabe weitergeben kann. Die Kinder wurden vorher in den Gruppenstunden über die Möglichkeiten und Grenzen einer Position im Kinderrat informiert.
Kinder aus allen Jahrgangsstufen hatten die Möglichkeit, Interesse an einem Platz im Rat zu bekunden. Diese Kinder wurden zu einem Briefing zusammengenommen, in dem ihnen die Struktur einer Sitzung erklärt wurde, allerdings auch die damit einhergehenden Pflichten und die Bedeutung der Teilhabe. Die Kinder, die weiterhin Interesse zeigten, erstellten anschließend Steckbriefe zu ihrer Person. Diese Steckbriefe wurden zentral ausgehängt, um den anderen Kindern einen Eindruck von den Kandidaten zu gewähren. An einem schönen Tag im Frühjahr dieses Jahres fand dann die anonyme Wahl statt. Altersentsprechend vollzogen die Kinder eigenverantwortlich oder als ganzer Klassenzug die Wahl in den vorbereiteten Wahlkabinen und erlangten so hautnah Einblicke, wie Demokratie funktioniert.
Dieses Schuljahr hat der Kinderrat nun zum ersten Male getagt. Im Kern ging es um Themen der Alltagsgestaltung. Mit Beginn des Schuljahres hat sich die Zusammensetzung der Räume im oberen Bereich geändert. So wurde der Lego-Raum im 2.OG neu strukturiert, um mehr den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden und der obere Lego-Raum wurde umgebaut. Er hat nun die Funktion eines Rückzugsraumes mit zahlreichen Büchern und Spielen, Nischen und Chill-Ecken. Wie der Volksmund weiß, verleihen wir Dingen Gewicht, indem wir ihnen einen Namen geben. Darum war es wichtig, dass wir die Namenfindung mit größtmöglicher Beteiligung der Kinder gestalten. Lange hing ein Zettel mit freien Zeilen für Namensvorschläge am Raum. Diese Vorschläge wurden anschließend im Kinderrat diskutiert. Es wurde darüber gesprochen, welche Namen am besten zum Raum passen. Schlussendlich kam der Kinderrat am Ende der Sitzung auf drei Vorschläge. Diese wurden wiederum in den Gruppenstunden zur Abstimmung gestellt und der Raum wurde nunmehr nach der Auszählung der Stimmen „Bücherhöhle“ getauft.
Dies ist ein Beispiel, wie der Kinderrat in unserer Einrichtung etabliert ist. In den darauffolgenden Sitzungen ging es unter anderem um den Aufbau einer Position, in der Kinder, die sich dazu berufen fühlen, kleinere Aufgaben während der Vesper übernehmen. Wie die Gestaltung am Ende auch immer aussehen mag – klar ist, dass der Kinderrat sehr in die Planung, Gestaltung und Vorbereitung involviert wird.