Wenn junge Potsdamerinnen und Potsdamer drei Wünsche frei hätten, dann wären dies selbstverwaltete Treffpunkte, kostenloses Bus- und Bahnfahren und eine Infotafel mit allen Angeboten für Jugendliche in der Stadt. Das sind die ersten Ergebnisse von „Irgendwas mit Beteiligung oder so“, dem dritten Fachtag im Rahmen der Jugendaktionswoche, der gestern im „Haus der Jugend“ unter Leitung von Rüdiger Schmolke vom Stadtjugendring und Annett Bauer von der AWO Kinder- und Jugendhilfe Potsdam gGmbH stattfand.
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Am Vormittag hatten sich Fachleute aus den Bereichen der Jugendförderung, Sozialarbeit, Politik und Verwaltung über die verschiedenen Formate der Beteiligung und ihre Wirkung ausgetauscht; nach der Mittagspause kamen dann Vertreter*innen aus Kinder- und Jugendgremien sowie Jugendorganisationen dazu, um in einem OpenSpace zu verschiedenen Potsdamer Themen zu diskutieren.
Die Brandenburgische Kommunal-Verfassung verpflichtet in §19 alle Städte und Gemeinden dazu, Kinder und Jugendliche „in allen sie berührenden Angelegenheiten“ zu beteiligen. Im ersten Teil des Fachtags gab es dazu viele gute Praxisbeispiele, Kniffe und Tools gelingender Beteiligung. So berichtete Potsdams Kinder- und Jugendbeauftragte Stefanie Buhr von der Arbeit der Kinder- und Jugendräte bzw. -parlamente. Anne Zöppig und Paula Leppin von der Fachstelle für Beteiligung beim Stadtjugendring warben für das von der Stadt bereit gestellte Kinder- und Jugendbudget, über das sich junge Menschen kleine Gemeinschafts-Projekte fördern lassen können. Kommunalberater Sven Gräßer erzählte von seiner Erfahrung mit den „Barriere-Detektiven“, einem schulform-übergreifenden Inklusionsprojekt, und den ausgemachten Barrieren in den Köpfen.
Annett Bauer sprach von einer Art „Dolmetscher-Tätigkeit“ bei der Vermittlung zwischen Jugendlichen und Kommunal-Politik, „wobei die Politiker*innen mehr Angst vor den jungen Menschen hätten als umgekehrt“. Und Isgard Walla vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg e.V. stellte digitale Werkzeuge vor, mit denen man Beteiligungsprozesse jugendfreundlicher gestalten kann.
Viele machen ganz viel in Potsdam, aber es mangelt immer noch an der Vernetzung, stellten die Teilnehmenden im Austausch in den „Praxis-Werkstätten“ fest und fanden erste Ideen zum Bündeln dieses Schwarmwissens. Ein weiterer Mangel bei aller Beteiligungsbereitschaft der Stadtpolitik sei die zum Teil schleppende Umsetzung der von Kindern und Jugendlichen eingebrachten Ideen. „Die Stadtverordneten müssen beharrlich verfolgen, ob die Verwaltung die gefassten Beschlüsse auch umsetzt“, sagte Sigrid Müller, die viele Jahre für die Linke im Stadtparlament saß und den Jugendhilfeausschuss leitete. Denn nichts sei für die Jugendlichen frustrierender, als zu erleben, dass ihre Anliegen nicht umgesetzt werden.
Im Rahmen der Jugendaktionswoche wurde geschnippelt, gekocht, diskutiert und gekickt. Unser Ziel: junge Potsdamer*innen sichtbar machen. Ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Und ...