Was beschäftigt junge Menschen, welche Ängste haben sie, wie gehen sie mit den aktuellen multiplen Krisen von Corona über Ukraine und Inflation bis zum Nahen Osten um? Zahlreiche Studien wie COPSY oder die HSBC-Studie für Brandenburg haben sich in den vergangenen Jahren genau damit beschäftigt. Am gestrigen Montag widmete sich der erste von drei Fachtagen im Rahmen der Jugendaktionswoche Potsdam ebenfalls dem Thema Seelische Gesundheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Knapp 40 Fachkräfte der Jugendarbeit, Therapeut*innen, Verwaltungsmitarbeitende und junge Menschen waren in das AWO Haus „Alte Druckerei“ in der Sellostraße gekommen, um sich auszutauschen und Beispiele für gute Praxis kennenzulernen. „Junge Menschen erfahren psychische Belastungen, Angststörungen nehmen zu. Kinderarmut erhöht diese Belastung zusätzlich“, sagte Jane Baneth, Vorständin des AWO Bezirksverband Potsdam e.V. in einer kurzen Begrüßung. Das habe Folgen für Schule, Ausbildung, Beruf und die gesellschaftliche Teilhabe.
Einen Überblick über die aktuelle Forschungslage gab Annett Bauer, Geschäftsstellenleitung der AWO Kinder- und Jugendhilfe Potsdam gGmbH. Demnach haben einer aktuellen Studie zufolge 81 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 27 Angst vor einem Krieg in Europa, mehr als jeder zweite Befragte macht sich Sorgen um die Folgen des Klimawandels oder der Inflation. „Die Belastungen vertiefen sich und sind gesellschaftlich ungleich verteilt“, sagte Bauer. Und viele erhielten trotz Bedarf keine Hilfe. „Die psychische Gesundheit junger Menschen steht unter Druck.“
In spannenden Vorträgen bestätigten Dr. med. Stephan Anis Towfigh (Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik), Christian Hoeldtke und Katharina Tietz (Fachstelle Seelische Gesundheit - Chill Out e.V.) diese Einschätzung und lieferten zugleich konkrete Impulse für Unterstützungsangebote. Auch Jana Eberl von der Mäander Jugendhilfe (Stationäre Hilfen zur Erziehung) und Karolin Wurlitzer vom AWO Living Museum Potsdam sahen hier großen Handlungs- und vor allem Vernetzungsbedarf. Verbesserungen seien etwa bei den Übergängen nach dem Ende der Jugendhilfe ab 18 nötig. Hier werden die jungen Menschen zu oft sich selbst überlassen.